Die phantastischen Twelf Apostles

Die Great Ocean Road war eigentlich eine Arbeitsbeschaffungsmassnahme fuer die Heimkehrer des australischen ANZAC-Korps aus dem Ersten Weltkrieg. Die Wirtschaft lag danieder und Arbeitsplaetze waren rar, und deshalb kam eine private Initiative auf den Gedanken, die Arbeitskraft der Heimkehrer fuer den Bau einer Strasse sued-westlich von Melbourne bis kurz hinter die Twelf Apostel zu bauen. Es ist wohl in der Neuzeit die einzige Strasse weltweit, die ausschliesslich durch Handarbeit gebaut wurde, denn was man genug hatte waren Arbeiter.

Heute ist die Great Ocean Road vor allem eine Touristenattraktion mit vielen unterschiedlichen Facetten. Das westliche Ende ist gepraegt durch lange Straende, die durch die vielen Buchten abgetrennt sind und so kein Mallorca Feeling aufkommen lassen. Man ist einfach privater und ist nicht der Massenhysterie unterworfen.

Die Great Ocean Road ist landschaftlich gepraegt nicht nur von Straenden, sondern von bis ans Meer reichenden Bergketten. Mit Ausnahme von Kangaruhs duerften dort alle die Tiere zu finden sein, die typisch fuer Australien sind: Wombats, Koalas, Kakadus … die Natur bietet ihren gesamten australischen Gabentisch. Man muss bloss anhalten und genau hinschauen. Denn Koalas, die im uebrigen mit einem Baeren genauso viel gemeinsam haben wie Hund und Katze, schlafen 23 Stunden am Tag hoch ueber dem Boden in den Wipfeln der Baeume.

Der erste Abschnitt heisst zudem nicht umsonst Surfers Road. Denn hier finden auch Freunde des Surferns ihren Platz, wenn die Wellen auch nicht die Hoehe erreichen wie vor Hawaii. Aber gerade fuer den Freizeitsurfer bietet sich so kurz vor Melbourne die ideale Gelegenheit, ein wenig raus zu gehen aus sich selbst und den Duft der weiten Wellen zu geniessen.

Der imposanteste Teil der Great Ocean Road sind aber sicher die Twelf Apostles, die eigentlich nur noch acht sind und bis vor einigen Jahren neun waren. Die Antarktis ist einem ganz nahe, so zwei Punkte – Stuart Island und Kap Horn – liegen naeher dran und wenn mal wieder die See etwas rauer ist, kann einem der Atem weg bleiben. Die See rauscht an die aufrechstehenden Saeulen und schaeumt in den Buchten meterhoch.

Es war einmal eine Stelle, die fuer Seefahrer mit zu den gefaherlichsten an den Kuesten des fuenften Kontinents gehoerten. Dutzende von Schiffen sind hier versunken, seien es Frachter oder Passagierschiffe. So sank am Lorch Ard Gorge im Port Campbell National Park die Lorch Ard im Nebel, nachdem sie ihre Passagiere drei Monate ueber See aus London transportiert hatte, kurz vor Erreichen des Zieles Melbourne. Nur zwei Ueberlebende kannte das Unglueck – zwei von einer Gruppe, die ihr neues Glueck auf dem fuenften Kontinent suchen wollten. Und immer wieder brachte der Nebel Schiffe in der Zielgeraden zum Sinken.

Hier spaetestens, wenn man es nicht an anderer Stelle schon einmal gemerkt hat, machen sich die Naturgewalten bemerkbar. Vor einigen Jahren ist neunte Stalagmit durch die staendigen Wellenbrecher ausgehoehlt zusammen gebrachen. Und die wenige Kilometer entfernte London Brigde hat zwischenzeitlich auch die Verbindungsstrasse verloren.

 

flickr | The Great Ocean Road and the Twelf Apostles

dropbox-logo-gif0218-170x170 Official Visitor Guide for the Great Ocean Road

 

Operator Visit Melbourne
 Website http://www.visitmelbourne.com/
 Email info@melbournecitytour.com.au

 

Mungo National Park … dort, wo die trockenen Seens liegen

mailbox.ashxDies mit den Seen im Mungo National Park, nicht weit vom Staatendreieck New South Wales, Victoria und South Australia entfernt, ist in der Tat so eine Sache. Man sieht sie nicht und wenn, nur auf dem Navigationsystem.
Ich hatte mich ja entschlossen, doch in Mildura zu uebernachten und von dort aus in das Shearers Quarter, das alte Quartier der Schafscheerer, zu fahren. Ich hatte urspruenglich eine Unterkunft etwas weiter suedlich von Mildura gebucht, aber da ich letztlich an dem See nichts haette weiter unternehmen koennen, war Mildura die bessere Wahl. Ich war nun mitten im Outback Australiens angelangt – wenn das Outback auch nicht das Outback ist, sondern ziemlich viele Gesicht zeigt.

Die Fahrt ist bereits eine wahre Augenfreude. Noch auf der Karte, bei meinen Vorplanungen, hatte ich gedacht, es gaebe einen deutlichen Unterschied zwischen drinnen und draussen. Aber hatte ich weit gefehlt. Denn bereits auf dem Weg zeichnete sich ein stetiger Wechsel zwischen Steppenlandschaft und Waeldern ab. Kurz nach Mildura bereits endete auch die asphaltierte Strasse und ging ueber in eine Sandpiste – gut befestigt, aber bereits im Reisefuehrer wurde vor Regen gewarnt. Nun, Regen war nicht in Sicht und so war es auch kein Problem, die Piste zu befahren.
Wer die Tierwelt Australiens sucht, ist hier zumindest an einem guten Platz angelangt. Die Voegel zwitschern bunt durch einander und zeigen ihre Farbenpracht inmitten der sandgrauen Steppe. Und auch die australischen Beuteltiere – Kaengerus – machen ueberall ihre Aufwartung. Manchmal leider auch als Kadaver, wie sie angefahren wurden. Die fressenden Woelfe und anderen Aas-Fresser sorgen allerdings rasch dafuer, dass nur die Knochen uebrig bleiben.

Ankommen im Nirgendwo

Von Mildura aus gesehen ist das Nirgendwo nur zwei Stunden entfernt, in der Mungo National Park ist wirklich so etwas wie eine der abgeschiedensten Gegenden fuer einen Stadtmenschen. Irgendwo mitten auf der Strasse war es naemlich dann, dass Schild „Mungo National Park“ und dort war das Shearers Quarter. Die zentrale Informationsstelle beinhaltet gleich vier Bereiche im kleinen, aber weitlaeufigen Umkreis: das Information Center, die Quartiere der drei Ranger und die fuenf einfachen Bungalows im Shearers Quarter sowie die alte Schafscheereinrichtungen. Nur die betone Aussichtsrotunde stoert etwas in der wunderschoenen Anlage etwas.

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Mitten im See … auf den Navi

Die Ranger des National Parks haben sich aber insgesamt wirklich viel Muehe gegeben, eine Anlage von hohem Wert zu entwickeln und zu pflegen. Der Weg in das Information Center lohnt sich dabei auf jeden Fall, denn mitten in der Oednis wird ein Ueberblick ueber die Geologie des Parkes gezeigt, der mehrere Millionen Jahre zurueck reicht. Und derweil machen draussen, im Quarter, zwei Aborigines sich die Arbeit, das Nachtlager her zurichten. Aber wer hierher kommt, sollte nicht zu viel erwarten, denn die Anlage besteht wirklich nur aus fuenf Huetten zum Schlafen, einer Gemeinschaftskueche und einer eiskalten Duschmoeglichkeit. Wer also vergessen hat, etwas zu essen und eine Decke mitzunehmen, sollte gleich umkehren – oder in die fuenf Minuten entfernte, etwas komfortablere Lodge umziehen. Ich hatte noch in Mildura mir bei meinem Motel Bettzeug ausgeliehen und auch sonst noch etwas zu Essen eingekauft.
Irgendwann war die Nacht herein gebrochen und das wirklich tolle an der Anlage: es war ruhig. Absolute Stille zeichnete die Nacht aus, eine Stille wie ich sie zuletzt in der Namib in der Naehe von Swakopmund erlebt hatte. Wer also Tinitus hat, neben der Namib waere hier sein Platz zur Heilung in einer kargen, aber ausgesprochen schoenen Landschaft.

Das Nirgendwo erwacht zum Leben

Man muss schon genauer hinsehen, wenn man das Nirgendwo auch lebend entdecken will. Denn anders als auf dem Weg zum Mungo sind die Kangaroos und Emus hinter hohen Steppengraesern versteckt. Aber es lohnt sich.
Kangaroos hatte ich ja bereits im Zoo von Canberra gesehen. Nur waren die hiesigen doch wesentlich groesser, mannshoch. Und anders als in den Waeldern rund um Balranald waren sie auch weit weniger scheu. Sicher, zu weit naehern sollte man sich den Paerchen nicht. Aber sie schauen doch interessiert, was der Mensch so interessiert guck und lassen sich ausgiebig photographieren.
Und auch die Emus, die hinter dem Chinese Wall warteten, zeigten eine erstaunliche Ausdauer darin zu warten, bis die Gattung Mensch wieder von Tannen zog.
Ich hatte schon im Information Center von den Touren durch den Park, oder eigentlich besser am Chinese Wall, gesehen, aber mich zunaechst dagegen entschieden. Ich wollte die zwei Tage nutzen, um die Gegend selbst zu erkunden. Aber irgendwo am Chinese Wall hatte ich dann gesehen, dass dies nur begrenzt moeglich ist und zufaelliger Weise kam genau zu diesem Zeitpunkt die Tour vorbei und ich schloss mich an. Und es hat sich gelohnt. Denn die Rangerin, eine Aboriginee, beschrieb nicht nur die Natur und die Gesteine, sondern sie bot auch einen tiefen Einblick in die Traditionen der Aboriginee. Der Mungo, heute unbesiedelt, ist ein altes Stammesgebiet der australischen Ureinwohner und so etwas wie eine deren heiligen Staetten. Auch deshalb ist das Gebiet des Chinese Wall nur mit Fuehrern betretbar. Hochzeiten, Jahrestage, Totenfeiern – fuer all dies war der Mungo frueher ein wichtiger Platz, an dem man den Goettern nah war. Und anders als fuer einen Europaer kommen bei den Aboriginee bis heute die ganzen Familien zusammen, die schnell auf eine stattliche Zahl anwachsen kann. Ihre mystische Erzaehlweise zog mich tief in ihren Bann, denn so schnell bekommt man nicht mehr die Traditionen so bildlich zu gesicht.

Man trifft sie ueberall … die Deutschen

DSC05833Die Deutschen haben ja meist ein Problem mit der eigenen Courage und verstecken sich vielfach. Bereits als Gast des Parliaments von New Zealand habe ich jedoch festgestellt: sie freuen sich, nicht nur Briten und Amerikaner zu treffen, die Menschen in der Fremde. Sondern heissen auch herzlich alles Deutsche willkommen in ihrer Welt.
Irgendwo auf dem Chinese Wall kam dann auch ein aelterer Herr auf mich zu und fragte mich auf Deutsch, wo ich denn herkomme. Ich war ueberrascht, denn er hatte mich wohl am Dialekt erkannt – sonst meinen viele, ich komme wahlweise aus Britannien oder den USA. Der aeltere Herr war in den 1950er Jahren nach Australien ausgewandert, zunaechst als Baecker und irgendwann, als das Geschaeft nicht mehr lief, hatte er eine Bauunternehmung gegruendet. Seine Wurzeln hatte er nie verloren, auch wenn er zwischenzeitlich ein Aussie ist. Er hat zwar nicht mehr viele Beziehungen nach Deutschland und war zuletzt dort vor mehr als 15 Jahren. Aber er erinnert sich gerne und hatte sich gefreut, einmal wieder jemand aus seiner alten Heimat zu treffen.
Seine Frau hatte er in Adelaide kennen gelernt und geheiratet. Und nachdem wir noch lange nach der Fuehrung standen und uns unterhielten, hatten er und seine Frau mich schliesslich auf einen Tee eingeladen. Zwischenzeitlich sind sie Rentner und haben sich einen alten VW-Bus gekauft und in zum Campingmobil umgebaut. Fuer sie ist die Zeit nicht stehen geblieben, aber sie nutzen sie, um den grossen Kontinent zu erkunden. Eine wirklich tolle Geschichte und ein wirklich sehr schoener Kontakt.

 

flickr | Mungo National Park

 

Operator Office of Environment and Heritage of New South Wales
Mungo National Park
 Website www.visitmungo.com.au/
 Email parks.info@environment.nsw.gov.au
>> Google Maps

Coordinates: -33.733876, 143.154827

Sydney: Megalopolis Down Under

Sydney ist bis heute so etwas wie das Entry Gate fuer den sDSC05245uedlichen Kontinent – was fuer die USA Staten Island war, ist Sydney fuer Australien. Melbourne wird dies nicht wirklich gerne hoeren, aber hier waren die Europaer das erste Mal angelandet und mit der Harbor Brigde und der Sydney Opera stehen bis heute hier die Wahrzeichen, die Australien in aller Welt praesentieren.

Hier bin ich angekommen nach einem phantastischen Flug ueber die neuseelaendischen Alpen am vergangenen Donnerstag. Und die Stadt hat einfach viele Gesichter, die man kaum beschreiben und schon gar nicht in zwei Tagen entdecken kann. Man sollte auch gar nicht den Anspruch haben, man wuerde sonst scheitern.

Sydney Tower Eye

Es ist nicht zu viel versprochen, was einem die Werbung sagt:

Erleben Sie den wahren Glanz von Sydney im Sydney Tower Eye. Die atemberaubende 360-Grad-Aussicht aus der Vogelperspektive zeigt Ihnen alle Einzelheiten dieser herrlichen Stadt bis in 80 Kilometer Entfernung in allen Richtungen.

Bevor man aber ueberhaupt in die golden glaenzende Aussichtskorb in 251 Metern Hoehe gelangt, hat man das erste Erlebnis: das 4D-Kino. Wer bislang nur das 3D-Kino aus dem Muenchner Technik-Museum kannte, wird hier die vierte Dimension erleben. Denn im Flug durch Australien kommen Schlangen, Fliegen und Libellen nicht nur gefaehrlich nah, sie spritzen den Besucher auch mit Wasser voll. Es ist aber ein phantastischer Einblick in die Welt Australiens.

Oben, in luftiger Hoehe, hat man dann in der Tat den in der Werbung versprochenen Ausblick. Die Mischung aus winterlicher Frische und Sonne laesst einen weit in das innere des Kontinents blicken. Kurz hinter Sydney beginnt bereits der wilde Westen, der gruen und satt im Sonnenlicht entgegen strahlt. Im Suedosten praesentiert sich der Flughafen, Australiens modernes Tor zur Welt, und im Nordosten der breit angelegte Hafen, Australiens altes Tor zur Welt. Wie die Kiwis, 4.000 Kilometer weiter oestlich, scheinn auch die Aussies die natuerlichen Buchten ueberall genommen zu haben, um sich anzusiedeln und so auch ihre Staedte vor den Stuermen der See ein wenig zu schuetzen. Majestaetisch liegt vor einem die Harbor Bridge und gleich daneben die Sydney Opera.

Harbor Tour

Wieder festen Boden unter den Fuessen und den Ueberblick erhalten, war es Zeit, die Stadt zu Fuss zu erkunden. Denn von oben sieht man zwar viel, aber noch bei weitem nicht alles. Darling Harbor, der Eventhafen tief in der Buchtenlandschaft vergraben, ist auch gleichzeitig der Startpunkt fuer jede Hafentour. Das Interessante: Es ist keine klassische Hafentour, sondern quasi der Wasserlinienbus, in dem man mitfaehrt.

Unter durch geht es durch die Harbor Bridge und hier kann man die Kletterer bemerken. Daniela Rothenhoefer meinte einmal, es waere sehr teuer – aber ich hatte wohl auch ein wenig Schiss, in diese luftigen Hoehen zu klettern, nur gesichert durch ein duennes Seil und auf einem schmalen Steg entlang. Ich hatte mich naemlich nicht einmal nach einer solchen Tour erkundigt und den Ausblick von unten genossen. Die Stadt hatte ich schliesslich auch bereit aus dem sicheren Korb des Sydney Tower Eye erblickt.

Nun, weiter an der Sydney Opera vorbei und hier zeigen sich die einmaligen Segel dieses weiss glaenzenden Bauwerkes. Ich habe aber auch festgestellt, dass wohl die meisten Bilder mit der Harbor Bridge im Hintergrund eher Bildmontagen sind … so genau passen sie naemlich in einer Achse dann doch nicht. Aber sei es drum. Und dann geht es auch schon weit aus dem urbanen Centrum der Stadt, vorbei am … Park, hinaus in die laendlichen Gefilde der Metropolregion bis an die Muendung der Watson Bay und nach Manly, den nordoestlichsten Suburb Sydney.

Die Suburbs sind im Uebrigen so eine Sache und mir sind sie bereits in New Zealand begegnet. In Australia sind sie aber in der Tat noch praesenter, da die Staedte auch deutlicher groesser sind. Einen Strassennamen gibt es gerade in den Megastaedten mehrfach und auch mit Hausnummern koennen Taxifahrer nur dann etwas anfangen, wenn sie den Suburb dazu haben. Und ein Suburb ist nun nicht ein Stadtbezirk wie in Muenchen oder noch ein Stadtteil – sie sind noch kleinteiliger angelegt. Dies kann dann auch dazu fuehren, dass sich ein Taxifahrer strikt weigert den Auftrag auszufuehren, trotz exakter Adresse, nur eben ohne Suburb.

Alt-Englischer Schnick

Sydney wird nach aussen mehr durch seine Kulisse gepraegt. Wer kennt nicht die Harbor Bridge, das Opera House oder die gesamte Skyline. Weit weniger bekannt ist der britische Schnick, der beispielsweise in Kings Cross anzutreffen ist oder den auch Royal Botanic Garden gleich um die Ecke der Opera praegt. Es ist dieses ganz britische Sydney, welches man nur wieder in Melbourne antrifft und wo die Wurzeln des australischen Commonwealth sichtbar werden.

Anders als der Central Business District ist der Rest von Sydney eher kleinteilig ausgelegt. Wer schon einmal in London war, wird die Wuerfelarchitektur kennen, mit den ein- bis zweistoeckigen Haeusern, die durch ihre kleinen Vorgarten glaenzen. Durch die Berg-und-Tal-Strassen, die Sydney´s Innenstadt praegen, wird dieses Bild noch eindrucksvoller. Die Stadt hat sich trotz aller Modernisierung dieses Flair aus Europa erhalten und die engen, teuren Wohnungen aus London mit genommen.

 

flickr | Sydney – The British Town in Down Under

Over the Tasman Sea

1-tasman-sea-mothaibaphoto-printsMaestjetisch landete die B777-300 von Emirates in Christchurch, als sie mich abholte und den ersten Teil des Weges zurueck in heimatliche Gefilde tragen sollte. Christchurch ist ein eher familiaere Airport, bei dem die grossen Flieger wie die von Emirates eigentlich gar nicht hinein passen.
Christchurch ist wohl einer der wenigen internationalen Airports, auf denen es nicht hektisch zugeht. Der Check In … eher ruhig gelassen. Der Sicherheitscheck … ein kleiner Plausch, dafuer ist immer Zeit. Und auch die Ausreise ist eher gemuetlich und die Grenzbeamten haben ihren ernsten Blick aus Auckland weitgehend verloren. So ist es ein angenehmes Ausreise und bei die letzten NZ Dollars verlieren sich in den Souvenirshops des Flughafen. Irgendwie bin ich zum Souvenirjaeger geworden in den letzten drei Wochen.

Abheben und erleben …

Und auch ausserhalb ist der Christchurch Airport eher einer, der an die tiefste Provinz erinnert – wobei man natuerlich in dem malerischen, leider immer noch vernarbten Staedtchen fast schon am Ende der Welt ist. Weitraeumig und leer, weitgehend.

Over the Tasman SeaUnd dann ging es los, weniger dass es der erste Schritt auf dem Way back war – sondern einer der sagenhaftesten Aussichten auf die Ebenen und Hochlaender Neuseelands. Der Flieger steigt sehr schnell in majestaetische Hoehen und dies muss er auch, will er nicht gegen die Berger der Southern Alps prallen.
Kaum ist der Flieger aber gestartet, holen die Inhaber der Fenstersitze rasch und zielorientiert ihre Kameras raus und innerhalb von wenigen Minuten werden wohl mehrere hundert Bilder gemacht. Denn unter dem Flieger ziehen die Gletscher und Bergseen vorbei, die man bislang nur von unten gesehen hat. Noch einmal kamen die Spiegelungen der Gipfel in den Seen heraus und waehrend ich vom Boden aus immer nur in die Taeler schauen konnte, war der Blick hier oben von einer endlosen Weite gepraegt.

Ueber der Tasman Sea

Der Blick in dieses wundervolle Bergpanorama dauerte nur rund 15 Minuten und rasch war die Kuestenlinie im Blick, an der ich nur eine Woche zuvor noch gestanden hatte. Damals tosten die Wellen noch ueber die Brandung, die jetzt doch recht friedlich aussahen und nur noch eine lange Linie zwischen Meer und Kuestenlinie praesentierten. Aber was auf der Ostseite langsam bis hinauf in die Gipfe der Southern Alps anstieg, fiel auf der Westseite rasch hinab, da wo sich die australische und die pazifische Platte trafen und den New Zealanders immer wieder Erdbeben bescheerten.
Die wundervolle Landschaft der Suedinsel New Zealands wird aber rasch abgeloest von der Endlichkeit der Tasman Sea, die meist ruhig da liegt wie der Pacific, der nur wenige Kilometer weiter oestlich New Zealand umfasst. Anders als ueber der South China Sea oder der Bay of Bengal stoeren hier den lieblichen Anblick und die Ruhe keine grossen Tankschiffe oder die vielen kleinen Fischerboote. Es bleibt so ruhig bis kurz vor Australia.

Sydney Approach

Und da auch Sydney wieder tief in einer Bucht vergraben ist, wird die Skyline dieser beeindruckenden Stadt gar nicht wirklich sichtbar. Flach zieht sich das Land deshalb hin bis an den Horizont und so langsam brach auch bereits die Daemmerung herein – so schnellen Schrittes, dass es bei der Landung bereits Dunkel war.
Wir setzten auf der Westlandebahn auf, die etwas weniger weit ins Wasser hinein ragt. Denn wirklich Platz haben die Syndeyianer nicht und haben deshalb bereits frueh angefangen, das Land ins Meer hinein zu verlaengern. Und dann sieht man die vielen Lichter eines geschaeftstuechtigen Flughafens, der wohl niemals schlaeft.

flickr | Over the Tasman Sea

Christchurch Die traurige Metropole des Suedens

IMG_3824Das Christchurch 2010 und 2011 von zwei schweren Erdbeben getroffen wurde, merkt man der Metropole der Suedinsel bis heute an. Rund 30 Milliarden Dollar Schaden wurden damals angerichtet, wenn die Region Canterburry auch noch recht glimpflich davon gekommen ist.

Bis heute ist die Cathedral nicht wieder aufgebaut und die Ruine steht als tiefe Wunde in der Mitte der Stadt, am Cathedral Square. Ob sie jemals wieder aufgebaut oder abgerissen und durch einen „modernen“ Bau ersetzt wird, ist noch nicht endgueltig entschieden. Aber die Angelikanische Kirche hat eine beeindruckende sogenannte Transitional Cathedral errichtet. Am Tag, bevor ich nach Sydney geflogen bin, habe ich diesen tollen sakaralen Bau entdeckt, der durch seine Konstruktion den Uebergangscharakter unterstreicht: alle Saeulen sind aus Pappe. Es soll gar nicht erst der Eindruck entstehen, als haette die Anglikanische Kirche nicht den Willen, an DEN zentralen Platz der Stadt zurueck zu kehren.

Die drei Erdbeben haben aber viel Leben aus der Stadt genommen. Geschaefte sind weg gezogen, die Geschaeftshaeuser sind noch nicht wieder aufgebaut. Und so ist die Stadt selbst am Tag ziemlich leer, es verirren sich mehr Touristen als Christchurcher in die zentralen Lagen.

Dabei tut die Stadt viel, um das Leben und das Gesicht zurueck zu gewinnen. Die Christchurch Tram mit ihren historischen Wagen wurde bereits kurz nach dem Erdbeben wieder errichtet. Weniger ein Verkehrsmittel als eine Touristenattraktion, faehrt sie von der New Regency Street zum Canterbury Museum. Historisch aufgemotzt und mit grossartigen Tourguides lernt man viel ueber die Stadt kennen.

Christchurch hat sich aber eines erhalten: seine phantastischen Parks. The Christchurch Botanic Garden ist ein wenig den Gaerten in London nach empfunden, so wie viele der alten Architekturen. Und die gesamte Stadt ist mit vielen Parks und Gaerten durchzogen – was ein angenehmes Klima schafft und auch zum weitlaeufigen Schlendern einlaedt, insbesondere am Morgen.

Der englische Einfluss ist unverkennbar und deshalb traegt der County rund um Christchurch wohl nicht umsonst als einziger den Namen einer britischen Stadt. Dabei ist die Stadt, so wie viele in New Zealand, eher niedrig gehalten und dies macht auch den Charme aus.

 

DSC05055Und die Umgebung ist von Christchurch, gelegen auf der Banks Peninsula mit seiner tiefen fjordaehnlichen Landschaft reizt, raus zu gehen. Ich wollte eigentlich eine Wal- und Dolphin-Tour machen, aber das Wetter oder besser gesagt der Seegang haben nicht mitgespielt. Und so habe ich die Gelegenheit genutzt, einen Tag vor meinem Abflug aus diesem einzigartigen Land diese Umgebung zu entdecken. Es lohnt sich – auch einmal laenger hier zu weilen.

 

Must Read: Christchurch heute – zwei Jahre nach dem Erdbeben (Welt online 03.07.2013)

Die sagenhaften Marlborough Sounds

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Glaubt man den Maori – und es gibt eigentlich keinen vernuenftigen Grund, dies nicht zu tun – so sind die Marlborough Sounds in einem Kampf zwischen dem legendaeren polynesischen Entdecker New Zealands, Kube, und einem riesigen Oktopus entstanden. Kube soll waehrend des Kampfes seine Hand in Richtung Suedinsel ausgestreckt haben, wobei seine Finger tiefe Furchen in dem Land hinterlassen hatten und diese sich mit Wasser gefuellt haben.

So sagenhaft die Entstehungsgeschichte dieser einzigartigen Landschaft aus Wasserarmen und gruenen Inseln und Halbinseln ist, so sagenhaft eindrucksvoll sind auch die Marlborough Sounds selbst. Eigentlich alle grossen Staedte liegen nicht direkt an der offenen See, sondern in natuerlichen Buchten. Und so verlaesst die Bluebright Ferry den Hafen von Wellington auch erst einmal nur in die Wellington Harbour Bay und benoetigt bis zum offenen Meer noch einige Seemeilen in die Cook Strait. Erst schemenhaft eroeffnet sich die Suedinsel dem Ankoemmling und tief verschlossen sind die Sounds noch immer. Erst nach der Einfahrt, wenn das Wasser seine Farbe von schwarz auf blau veraendert hat, eroeffnet sich die Schoenheit und Einzigartigkeit, die Kubes Finger hinterlassen haben.

In vielen Buchten sieht man kleine oder groessere Haeuser und obwohl von den Haengen Wege herab fuehren, wirklich erreichbar sind diese romantisch gelegenen Kleinstsiedlungen nur vom Wasser oder aus der Luft. Vollkommen abgeschieden hier zu leben hat sicher etwas, ob fuer die Dauer – ist eine andere Frage. Aber es ist eine beeindruckende Landschaft, die Haenge gruen und scheinbar unbeirrt sich im Wasser fortsetzend. Die zwei Stunden, die man durch die Marlboroughs bis nach Picton faehrt, eroeffnet sich nahezu mit jeder Sekunde eine neue Sichtweise.

Leider war es heute bewoelkt und so konnte sich das Licht der Sonne in den Wassern der Marlboroughs nicht wieder spiegeln. Es ist eben auch Winter bei den Kiwis. In den Buchten verfaengt sich der Wind, denn waehrend es in der Cook Strait angenehm herbstlich warm und windstil war, wehte es ab der Suedinseln eine steife Brise. Aber: es lohnt sich und aufwaermen kann man sich auch spaeter.

 

flickr | Fabulous Marlborough Sounds

Geysirland – Most amazing

Es war kalt geworden in der Mitte der Nordinsel. Als wir am Freitag ADSC03233bend nach einem Abstecher in die Waitomo Glowworm Coves war es wirklich eiskalt bei rund fuenf Grad. Aber fuer den Winter ist dies ja immer noch eine gute Temperatur.

Die Hoehlen sind wirklich interessant (leider nicht fuer Bilder zulaessig). Ueberall haengen kleine leuchtende Faeden herunter, die eine schumrige Stimmung verbreiten.

Der naechste Morgen entschaedigte aber sehr wohl: mehr durch Zufall hatte ich ein Hotel gebucht mit direktem Blick auf die Geysire. Es spritzte, dampfe und brodelte nur so in der Luft und jetzt erinnerte ich mich auch an den etwas unangenehmen Geruch vom Vorabend: Schwefel. Die Luft in Rotorua ist durch die Geysire ziemlich schwefelhaltig, was aber in diesen Mengen sicher auch ein ganzes Stueck gesund ist.

Der Geysir-Park wird in Rotorua vom Maori-Institut betrieben. Eine sehr schoene Einrichtung, hat sich New Zealand doch erst sehr spaeter seiner Ureinwohner angenommen und diese als integralen Teil seiner Einwanderergesellschaft akzeptiert. Heute ist dies anders: viele Namen, sind sie nicht sowieso Maori, werden uebersetzt. Mit den Einnahmen des Geysir Parks wird auch das Maori-Kulturinstitut gefoerdert und so bleibt eine uralte Kultur erhalten.

Unbedingt besucht haben sollte man die Kulturvorfuehrung der Maoris im Park. Hier wird die polynesische Verbindung immer wieder deutlich und wie Maori die Zunge herausstrecken koennen, ist auch eine Schau. Die Balztaenzer, die die Maenner auffuehren, schauen zwar gefaehrlich aus – sind aber immer freundlich und frei von Gewalt gemeint.

Geyserland ist ein wirklicher Besuch wert. Der Park ist war recht klein, aber dafuer hat die Natur hier auf engstem Raum wohl alles vertreten, was aus der Erde austreten kann – ausser Lava und ein Erdbeben. Mal hochspritzend, mal nur grau blubbernd und ueberall mindestens lauwarmes Wasser in einer eiskalten Umgebung.

Spaeter noch im Polynesian Spa gewesen und etwas fuer die Gesundheit getan. Ein gelungener Tag, der am spaeten Abend in Napier an der Ost-Kueste endete.

flickr | Geyserland

Hotel Silver Oaks Geyserland
Location 200m vom Geyserpark Te Piua in die Innenstadt mit einem fantastischen Blick auf die Geysire
Coordinates S 038° 9.719 | E 176° 15.185
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My trip to Down Under